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Cappelle la Grande endet mit einer leisen Enttäuschung

Donnerstag, 25. Februar 2010, 21:58 Uhr

Vom 13. – 20. Februar spielte ich am internationalen Open von Cappelle la Grande in Frankreich teil. Cappelle la Grande ist ein kleines Dorf in der Nähe von Dünkirchen und genau das ist der grosse Nachteil von diesem Turnier. Mit Damian Karrer reiste ich mit dem Zug an. Die Hinreise und Rückreise ist mit dem Zug eigentlich problemlos machbar, aber vor Ort ist man ohne Auto etwas aufgeschmissen. Wir hatten ein Doppelzimmer im Best Hotel in Dünkirchen. Das Zimmer war nicht schlecht, aber ein bisschen klein. Mit dem Auto liegt das Hotel wohl ca. zehn Minuten vom Spiellokal weg - mit dem Bus braucht man eine gute Stunde. Zum Glück war die Familie Grandadam auch am Start und nahm uns freundlicherweise am Abend nach den Runden mit nach Hause. So sparten wir nicht nur Zeit, sondern oft auch kalte Füsse. Für mich war es etwas überraschen, dass wir vier die einzigen Schweizer waren, da es doch ein sehr interessantes und preiswertes Turnier ist. Die Spielbedingungen sind gut, obwohl es nur ein grosser Saal ist. Die Veranstalter geben sich auch ziemlich Mühe und stellen für jeden Spieler ein Fähnchen und ein Namensschild hin. Das Turnier hat aber noch einen weiteren Nachteil, so spielen alle in der selben Kategorie, was zu einem Jojo Turnier führen kann. So hatte ich keinen Gegner zwischen 2200 und 2550. Wäre ich bereit für Exploits gewesen, hätte es durchaus seinen Reiz gehabt gegen so starke Spieler zu spielen, aber dafür war mein Repetoire einfach zu schwach.

Ich spielte gegen drei Grossmeister, zwei davon aus Polen. Gegen Dizuba und Olszewski hatte ich jeweils Schwarz und wurde beides Mal auf dem falschen Fuss erwischt. Bereits nach wenigen Züge hatte ich eine Variante, welche ich noch nicht kannte oder wo ich die Theorie vergessen hatte. Dziuba liess mir dann einfach keine Chance, während dem ich gegen Olszewski eigentlich eine fast ausgeglichene Stellung erreichte. Ich verbrauchte aber zu viel Zeit in der Eröffnung und sein exaktes und aufsässiges Spiel bereitete mir Mühe. Schlussendlich war ich eigentlich auch gegen ihn chancenlos. Gegen Degraeve hatte ich Weiss und da entwickelte sich eine ganz andere Partie. Der Franzose wählte eine spezielle Eröffnung. Ich spielte aber einfach normal Schach und er fand nichts besseres als in ein Endspiel zu gehen, wo er einfach nichts hat. Das ist sicher die positive Nachricht von diesem Turnier. Ich kann mittlerweile Partien spielen, in welchen ich eigentlich Fehlerlos spiele. Den Selbstzerstörungsknopf betätige ich immer wie weniger.

Die restlichen sechs Gegner waren zwischen 2000 und 2150. Es zeigte sich, dass ich im Normalfall keine grösseren Probleme habe Spieler auf diesem Niveau zu schlagen. Dennoch musste ich zwei Remis abgeben – beide mit Schwarz. Das liegt vor allem damit zusammen, dass ich eine neue Eröffnung angewendet habe, welche ich aber natürlich noch nicht verraten werde, bis erste Partien im Chessbase erscheinen! Ein Remis musste ich gegen einen ca. 13 Jahren alten Franzosen abgeben. Guillaume Lamard spielte kraftvoll und ich war beeindruckt, als er sich mehrmals weigerte in ein Remisendspiel zu gehen. Schlussendlich zeigte sich aber, dass er doch auch noch seine Fehler macht und ich kam in eine vorteilhafte Stellung. Aber ich hatte nicht viel Zeit und die Stellung wollte nicht einfacher werden. Ich verpasste zweimal den Gewinn, aber ich denke Lamard hat sich dieses Remis verdient erkämpft. Das zweite Remis regt mich aber selbst jetzt noch auf. Ich spielte wie gewohnt Najdorf. Meine Gegner können aber mittlerweile auf eine schöne Anzahl an Partien zurückgreifen und bereiten sich ziemlich gut vor. Mein Gegner wollte eine forcierte Remisvariante spielen und bot nach 17 Zügen auch Remis an, obwohl man eigentlich erst nach 20 den Friedenschluss besiegeln durfte. Ich lehnte ab und wich von meinem Wissen ab, um die forcierte Variante zu vermeiden. Mein Gegner spielte schnell weiter, aber eigentlich schlecht und ich sah die beste Fortsetzung. Ich liess mich aber bluffen und verlor die Übersicht und gab dem Gegner die Chance auf ewig Schach…

Natürlich habe ich auch eine paar Partien gewonnen – wie in alten Zeiten allesamt mit Weiss. Interessanterweise spielte ich zweimal gegen Holländisch in einem Turnier! Früher bereitete mir diese Eröffnung noch etwas Mühe, aber nun erkenne ich immer mehr die Faktoren, warum diese Eröffnung auf Topniveau so selten ist. Ich griff auch an diesem Turnier wieder mal zu 1.e4. Natürlich spielte meine Gegnerin nicht Najdorf (das macht sie in 95% der Partien mit Schwarz gegen e4). Sie wählte tatsächlich die Aljechin Verteidigung. Ich hatte in der Vorbereitung sogar eine Partie gefunden, aber ich nahm das nicht so richtig ernst. Mein Wissen war logischerweise nicht gross, aber ich dachte mir, dass Aljechin selbst schon weiss wie man gegen seine Eröffnung spielen sollte. Da ich ja ein Fan vom Buch von Kotov über Aljechin bin, hatte ich ein interessantes Bauernopfer auf Lager, welches in Vergessenheit geraten ist. Die Stellung wurde extrem scharf und kompliziert, wo ich meine Gegnerin aber an Kreativität und Rechenleistung übertrumpfen konnte. Vielleicht werde ich von dieser Partie mal noch ein paar Diagramme aufschalten, da es wirklich viele taktische Motive gab.

Die anderen Schweizer hatte ähnliche Probleme mit den Paarungen und so waren wirklich Exploits nötig, um etwas reissen zu können. Dies gelang eigentlich nur Patrick Grandadam, welcher eine Superpartie gegen einen Franzosen mit über 2450 ablieferte. Sein Bruder Nicolas war über das ganze Turnier erkältet, konnte sich aber trotzdem ein paar Elos ergattern. Damian hat aus meiner Sicht einige Fortschritte gemacht und kommt näher, um Titelträger ein Bein stellen zu können. Es fehlte ihm aber etwas der Killerinstinkt um die halben oder ganzen Punkte auch nach Hause zu tragen.

Ich selber habe keine Elos verloren und das ist vielleicht das positive am Turnier. Ich weiss, dass ich besser spielen kann und hatte Eröffnungsprobleme. Das zeigt für mich, dass es mit weiterhin nach oben gehen wird, wenn ich weiter arbeite. Eröffnungsprobleme sind leicht zu lösen und meine Gegner dürfen sich in Zukunft wohl definitiv zwei Eröffnungen mit Weiss anschauen müssen und mit Schwarz auf 1.d4 und 1.e4 gefasst sein!

 


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