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Black is still OK

Freitag, 15. Januar 2010, 14:49 Uhr

Das Weihnachtsopen liegt bereits eine Weile zurück, aber ich kam erst jetzt dazu, um einen ausführlichen Bericht zu schreiben.
Mit 4 Punkten aus 7 Runden kann ich natürlich nicht zufrieden sein, dennoch hatte das Turnier nicht nur seine Schattenseiten. Die Auslosungen liefen nicht nach meinem Wunsch, da ich gegen viele Junge spielte und die anderen Eröffnungsmässig nicht meinem Geschmack entsprachen. Was mich natürlich freut, ist die aufwärtsgehende Trend mit Schwarz. Es ist noch nicht so lange her, als ich mit Weiss fast alles aus dem Weg räumte, um danach mit Schwarz zu versagen. Am Weihnachtsopen holte ich mit Schwarz 3 aus 4, dafür mit Weiss nur 1 aus 3!

Jan Rindlisbacher – Emanuel Schiendorfer 0-1
Natürlich kennen wir uns mittlerweile ziemlich gut und wissen, was der Gegner spielt. In der ersten Runde konnte Jan zum Glück nicht vorbereitet sein und dennoch verwirrte er mich mächtig. In der Tabiastellung des klassischen Königsinder (also nach d5 Se7) zog er mit Weiss Te1… Aus meiner Sicht ein Zug der nicht gut sein kann, welcher mich aber aus meinen Varianten brachte. Dennoch stand ich schon nach 20 Zügen mit Schwarz besser. Meine Zeiteinteilung war allerdings schlecht und ich verpasste es den Sack in mehreren gewonnen Stellungen zuzumachen. Die Partie war schlussendlich die letzte in der ersten Runde und ich konnte Jan tatsächlich noch überlisten:

Emanuel Schiendorfer- Roger Gloor 0-1
Ich erreichte in einem Königsinder eigentlich eine ganz gute Stellung. Danach verlor ich etwas den Faden und die Stellung wurde extrem scharf und unklar. Gloor spielte gut und hatte mehr Zeit, dennoch fand ich gute Züge in dieser für mich hektischen Phase. Danach machte ich meine Sammlung „meine dümmsten Züge“ glo(o)rreicher:

Hier zog ich Dh2 und es folgte Sxe4 mit unklarer Stellung. Nach Dh1 hätte ich leicht gewonnen...
Nach diesem Fehler stand ich immer noch nicht schlechter, aber ich spielte einfach nur noch schlecht und verlor.

Thomas Kummle – Emanuel Schiendorfer 0-1
So stelle ich mir das vor: Ein Gegner, den ich nicht kenne, welcher eine anständige Elozahl hat und ohne spezielle Vorbereitung spielt. Kummle eröffnete mit 1.e4, was ich standartgemäss mit der sizilianischen Verteidigung erwiderte. Mein Gegner machte hier und da eine Ungenauigkeit und ich nutzte dies jeweils klassisch aus. Es machte richtig Spass das Wissen der strategischen Prinzipien wie halboffene Linie, rückständige Bauern, Spiel auf dem Flügel usw. anzuwenden, welches ich mir mit Büchern von Kotov, Bronstein und Lipnistky angeeignet habe. Ich bekam eine klar vorteilhafte Stellung und mein Gegner hatte Zeitnot. Danach wurde ich noch etwas fahrlässig und vergab einfache Gewinnvarianten. Meinem Gegner fiel die Zeit in welcher er fast Ausgleich hat. In der Analyse mit Kummle glaubten ich und er zwar, dass ich ein besseres Endspiel habe, aber Rybka findet gute Verteidigungsmöglichkeiten für Weiss.

Emanuel Schiendorfer – Benedict Hasenohr ½ - ½
In der vierten Runde spielte ich bereits gegen den dritten Junior. Mit Weiss wollte ich natürlich unbedingt gewinnen, dafür fehlten in der Partie aber die nötigen Theoriekenntnisse. Ich stand die ganze Partie etwas besser und hatte Raumvorteil, aber das reichte nicht für mehr, als ein besser Schwerfigurenendspiel. Dort gewann ich zwar einen Bauern, aber im Damenendspiel war mein König zu schwach um 4-3 gewinnen zu können und Hasenohr wollte einfach keinen Fehler mehr machen.

Werner Aeschbach – Emanuel Schiendorfer 0-1
Aeschbach wählte mit Weiss wie immer eine eher zahme Variante. Früher machte mir das grosse Schwierigkeiten gegen diese Systeme mit d4 Lf4 e3 usw. zu spielen, aber mittlerweile habe ich die Geduld und das Wissen, um dagegen anzukämpfen. Wie so oft in diesen Varianten haben beide viele Möglichkeiten bei der Entwicklung und schon schnell waren beide auf fremdem Terrain. Ich spielte sehr kreativ und opferte einen Bauern für das Läuferpaar. Meine Berechnungen waren korrekt und ich erhielt einen enormen Druck auf den Damenflügel von Weiss. Ich stand dann besser und gewann den Bauern zurück, aber auf Kosten des Läuferpaares und danach hatte ich nur einen kleinen Vorteil im Endspiel. Aber die alte Weisheit über Leute unter 2200 (Gut in der Eröffnung, im Mittelspiel naja und im Endspiel schlecht) bewies sich wieder einmal. Aeschbach schien sich nicht bewusst zu sein, dass Turmendspiele mit einem abgeschnittenen König auf der ersten Reihe sehr mühsam sein können. Ich gewann einen Bauern und hatte 3 gegen 2 im Turmendspiel, allerdings mit h, g , f gegen f, e, was die Sache für Weiss erschwert. Ich zog erst mal etwas planlos hin und her und versuchte ein paar Fallen, in welche mein Gegner aber nie tappte. Dann fand ich endlich den richtigen Gewinnplan, aber der war gar nicht mehr nötig da mein Gegner den Plan wohl sah und in verhindern wollte, das aber gleich verlor, da ich in ein gewonnenes Bauernendspiel einlenken konnte.

Emanuel Schiendorfer – Branko Filipovic ½ - ½
Filipovic reagierte auf mein d4 mit b6. Ich hatte schon zweimal gegen diese Eröffnung gespielt und immer leicht Vorteil erreicht, aber Filipovic ist ein kleiner Experte in dieser Eröffnung und brachte mich in eine ungemütliche Stellung. Meine Stellung war sicher nicht schlecht, da bereits Spieler wie Kramnik und Gelfand so spielten, aber ich fand mich nicht so zurecht. Nach einigen Abtauschen fand ich mich in einem schlechten Turmendspiel wieder, wo ich allerdings eine Meisterleistung in der Verteidigung ablieferte:

Rainer Buhmann – Emanuel Schiendorfer 1-0
In der letzten Runde durfte ich noch gegen die Startnummer 1 vom Turnier spielen. Es gibt eigentlich gar nicht viel dazu zu sagen. Buhmann spielte wie immer sein Königsindisch mit b4, wo ich schon einiges bei ihm abgeschaut habe. Er spielte eine Variante die ich eigentlich als nicht so stark einschätze, aber schlussendlich muss ich sagen, dass er mich einfach auseinander nahm und ich nie eine Chance auf Punkte hatte in dieser Partie.


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