Nationale News

Mit dem ASK kämpfen wir weiterhin um den Bundesliga Titel in der SGM!

Internationale News

Am Aeroflot Open konnte ich einige Elos gewinnen. Die IM-Norm allerdings verspielt.

News aus der Schachwelt

IM Beat Züger (Siebnen) erzielte in Budva seine dritte GM Norm!! mehr (Foto: Chessbase)

15. Juni 2009 - Ein Mannschaftspunkt gegen Luzern!

Gestern fand die fünfte NLA Runde der Saison statt. Normalerweise wäre ein 4-4 gegen Luzern kein Ausrufezeichen wert, da die Innerschweizer in Reichweite liegen. Gestern mussten wir aber auf unsere Nummer eins Artur Jussupow verzichten,  nebenbei war auch noch Oliver Sutter abwesend. Immerhin waren in unserem Team drei Spieler noch unter 20 Jahren, was uns dynamische Chancen gab. Der zweite Vorteil war, dass wohl praktisch alle Vorbereitungen der Gegner ins Leere liefen. Wie konnten die Luzerner  erahnen, dass Nedjelko Kelecevic am zweiten und ich am vierten Brett spielen werden!?

Luzern hatte eine recht starke Truppe aufgeboten und hatte über 100 Elo mehr im Schnitt. Der Wettkampf begann aus meiner Sicht eher ungünstig. Bei Gabriel Gähwiler zeichnete sich schon früh eine Niederlage ab und an den restlichen Brettern standen wir zwar OK, aber hatten halt nominell die schwächeren Spieler. Ich habe es tatsächlich mal geschafft als erster meine Partie im Team zu beenden.

Mit Schwarz spielte ich gegen IM Oliver Kurmann – so hatte ich mir das erhofft. Oli spielt im Najdorf die Variante mit Le3, was mir gefällt und in die ich schon einige Stunden Analysen gesteckt habe. Selbstverständlich kannte er die Variante auch, jedoch nicht so detailiert und deshalb musste er deutlich mehr Zeit aufwenden. Im entscheidenden Moment wich er der schärfsten Variante aus (verständlich, da er schon fast eine Stunde weniger hatte) und tauschte die Damen. Ich konnte nun meine Neuerung spielen, die ich in der Partieanalyse gegen Bodnaruk (Aeroflot Open 2009) gefunden habe. Danach hatte ich sicheren Ausgleich und versuchte Linien für meine Türme zu öffnen. Oliver war aber genug realistisch und verhinderte dies auf Kosten von Zugswiederholung und dementsprechendem Remis. Ich wollte zwar das Endspiel auf Gewinn spielen, aber ich kann mich sicherlich nicht beklagen, wenn ich mit Schwarz gegen einen stärkeren und ambitionierten Spieler Remis mache.

Nach unserer Analyse hatte sich in zwischen bei den anderen Stellungen einiges getan. Gabriel hatte wieder mal bewiesen, dass er Weltmeister ist, wenn es darum geht schlechtere Stellungen in besser zu verwandeln.  IM Richard Forster drückte mit Weiss auf die Stellung von IM Severin Papa. IM Nedjelko Kelecevic verlor leider gegen GM Robert Hübner, aber das war zu erwarten. IM Martin Ballmann stand hingegen leicht besser gegen den italienischen IM Giulio Borgo und hatte deutlich mehr Zeit. IM Valery Atlas schien einige strategische Fehler gemacht zu haben und fand sich gegen IM Andi Huss in einem schlechteren Endspiel wieder. Kambez Nuri stand zwar sehr passiv gegen IM Beat Züger, aber der schnelle Durchbruch von Weiss war noch nicht ersichtlich. Einzig am letzten Brett stand Peter Szakolczai gegen FM Enrique Almada schlechter. Der Wettkampf war aus meiner Sicht ein Auf und Ab. So gewann z.B. Gabriel Gähwiler seine klar schlechtere Stellung gegen Markus Räber, dafür verlor Andi Huss sein vorteilhaftes Endspiel gegen Valery Atlas. Richard Forster und Martin Ballmann konnten dafür ihre Stellungen in den ganzen Punkt verwandeln, aber am letzten Brett war nichts mehr zu machen.

Mit dem 4-4 haben wir einen enorm wichtigen Punkt im Kampf gegen den Abstieg geholt, sind aber noch lange nicht durch. Erfreulicherweise konnte Schlusslicht Bodan mit dem 4-4 gegen Genf den ersten Mannschaftspunkt holen. Das Meisterrennen scheint die SG Zürich im Griff zu haben, die Direktbegegnung gegen Reichenstein müssen die Zürcher allerdings zuerst noch überstehen.

18. Mai 2009 - Letzter Platz am Mitropa Cup in Slowenien

Vom 9. bis am 15. Mai fand In Slowenien (Rogaska Slatina) der Mitropa Cup statt. Dies war mein erster Einsatz für das Schweizer Nationalmannschaftsteam. Allerdings hätte man auch fast unter dem Namen ASK Winterthur starten können, da vier der fünf Spieler dem diesjährigen SGM Meister angehörten.

Andi Huss und ich fuhren gemeinsam mit dem Auto nach Slowenien. Gabriel Gähwiler und Florian Jenni bevorzugten das Flugzeug. Roland Ekstroem reiste aufgrund der Terminkollision mit der SMM Runde nach und war deshalb erst ab der vierten Runde einsatzbereit.
Das Hotel war eigentlich ganz OK, das Essen ebenfalls.

Mit Italien bekamen wir es gleich mit einem ambitionierten Gegner zu tun. Am ersten Brett spielte erneut Fabiano Caruana. Florian heizte dem Youngstar aber mächtig ein und hatte bereits Matt in fünf. Im 30 Sekunden Modus gelang es ihm aber leider nicht den vollen Punkt nach Hause zu nehmen. An den anderen Brettern hatten wir nicht wirklich viel zu melden. Meine Partie gegen IM Denis Rombaldoni wurde eigentlich bereits durch dessen Vorbereitung entschieden. Leider fand die Partie zwischen den beiden Theorieexperten Jan Gustafsson und Dusko Pavasovic erst zwei Runden später statt, denn diese behandelten die gleiche Gambitvariante.

Nach der klaren Niederlage gegen die Italiener spielten wir in der zweiten Runde gegen die Slowaken. Diesmal brachten Florian die ungleichfarbigen Läufer Glück und er konnte ein Endspiel mit einem Minusbauern Remis halten. An den restlichen drei Brettern waren wir zwar nicht chancenlos, aber das Ergebnis verbesserte sich zum Vortag nicht. Ich fand im Mittelspiel gegen Jurcik wohl nicht die richtigen Züge und stand aus meiner Sicht klar schlechter. Irgendwie konnte ich mich aber in ein unklares Endspiel retten, dort verteidigte ich allerdings schlecht und stellte mit einem Zug den halben Punkt ein.

Die Duelle gegen Österreich sind wohl immer speziell, aber in der Runde hätten wir unbedingt gewinnen müssen, um die rote Laterne nicht das ganze Turnier über in den Händen halten zu müssen. Unser Hauptproblem deckten die Österreicher allerdings schnell auf. Wir waren das ganze Turnier über viel zu leicht berechenbar. Wenn man unsere Partien im Chessbase anschaute, konnte man ziemlich sicher sein, dass diese Variante aufs Brett kommt. Im Verlaufe des Turniers varierte ich deshalb mehr und das mit kleinen Erfolgen. Gegen Markus Ragger holte Florian nicht allzu viel aus seinem Abtauschspanisch heraus, aber die Partie endete immerhin Remis. Am zweiten Brett packte Martin Neubauer gegen Andi Huss eine interessante Neuerung aus. Andi vergab den möglichen halben Punkt allerdings erst im Endspiel. Ich hatte in meiner Partie schon früh Vorteil, auch dank dem ich eine Variante spielte, welche ich zuvor immer vermieden hatte. Kreisl brauchte sehr viel Zeit verteidigte sich aber gut. Ich spielte anschliessend etwas zu ungenau und mein Vorteil erlosch mit der Zeit, aber mit dem Remis konnte ich immerhin mein Punktekonto eröffnen. Die Partie von Gabriel wiederspiegelte das oben genannte Problem. Mario Schachinger bereitete das Najdorf von Gabriel bis ins Detail hinaus. Er hatte zwischenzeitlich 1:37 auf der Uhr (Modus: 90 Min für 40 Züge + 30 min und pro Zug 30s) und eine gewonnene Stellung. Nach der erneut klaren Niederlage waren wir bereits abgeschlagen auf dem letzten Platz, immerhin war dank Roland Ekstroem Besserung in Sicht.

In der vierten Runde spielten wir gegen das einheimische Team. Die Slowenen starten sehr schlecht für ihre Verhältnisse. Ihr Team bestand aus: Pavasovic, Borisek, Lenic und Skoberene. Der Eloschnitt beträgt 2558. Nehmen wir mal an bei der Schweiz hätte das Team gespielt, welches in Dresden an der Olympiade im Einsatz war: Kortschnoj, Pelletier, Jenni, Gallagher. Dort beträgt der Elodurchschnitt 2522. Dies zeigt auf, dass wir nicht desolat spielten, sondern einfach klar schwächer besetzt waren. Florian hielt ziemlich überzeugend Remis mit Schwarz, Pavasovic musste sogar noch genau spielen um mit Weiss nicht ins Hintertreffen zu gelangen nach der Eröffnung. Am zweiten Brett stand Roland Ekstroem zwar etwas schlechter gegen Borisek hatte aber keine grosse Schwierigkeiten die Stellung zu halten. Ich hatte mit Schwarz nicht wirklich grosse Chancen gegen Lenic. In einem Sämisch entdeckte der junge GM eine neue Idee und nahm mich mehr oder weniger auseinander. Gabriel übersah schon früh einen entscheidenden Bauernvorstoss seines Gegners und kam schnell in eine undankbare Stellung.

In der fünften Runde spielten wir dann gegen das extrem junge, aber dennoch starke Ungarn. Florian Jenni spielte weiterhin solid und machte mit Weiss Remis gegen Viktor Erdos. Am zweiten Brett unterlief Roland ein Fehler in der Eröffnung nach dem die Partie nicht mehr zu retten war. Interessant war, dass GM Arik Braun (Ger) der genau gleiche Fehler und in derselben Runde machte. Andi hatte schon früh Probleme mit Weiss gegen David Berzecs. Schlussendlich wurde er ziemlich chancenlos überspielt. Ich spielte gegen den erst 13 jährigen Richard Rapport. Ich bekam ziemlich schnell eine Isolani Stellung, in der die Damen bereits getauscht waren. Ich hatte aber das Läuferpaar und dachte deshalb ich hätte keine Probleme. Der Junge spielte aber richtig gut - ok er hat ja auch bereits 2371 – und teilte mich im Endspiel ein. Nach dieser Lektion brauchte ich eine Pause und setzte deshalb gegen Deutschland aus.

Ich verfolgte den Wettkampf gegen unsere nördlichen Nachbarn trotzdem ziemlich intensiv. Florian experimentierte diesmal leider etwas zu viel in der Eröffnung und stand schnell sehr passiv. Jan Gustafsson wusste dies zu nützen und fügte unserer Nummer eins die erste Niederlage zu. Am zweiten Brett sicherte sich Roland gegen Arik Braun ein Remis mit Weiss. Am dritten Brett spielte Andi mit Schwarz gegen den in der Schweiz bekannte Michael Prusikin. Für mich als Aussenstehender schien es, als würde Prusikin Huss mit den Analysen von Pelletier zerlegen. Andi schien diese Analyse nicht gehabt oder gefunden zu haben. Am vierten Brett konnte Gabriel Gähwiler immerhin sein Punktekonto mit einem Remis gegen GM Baramidze eröffnen.

Nun war ich wieder bereit, um gegen Kroatien auf Punktejagd zu gehen. Am ersten Brett hatte Florian zum ersten mal etwas Mühe mit Weiss. Gegen Bosiocic verteidigte er sich aber stark und fuhr das Remis ein. Roland hatte mit Schwarz überhaupt keine Probleme, um mit seinem Skandinavier auszugleichen und steuerte ebenfalls einen halben Punkt bei. In meiner Partie schwankte die Engine wohl ziemlich stark. Ich hatte das Gefühl nach der Eröffnung sehr gut zu stehen. Ich verlor aber den Faden und kam in eine leicht schlechtere Stellung, in der ich aber gut spielte und mich mit einigen Tricks in ein Turmendspiel mit gleich vielen Bauern brachte. Dort übersah ich allerdings eine Gewinnidee meines Gegners was mich die Partie hätte kosten können oder müssen. Mein Gegner konnte mit seinem König von g7 über den Damenflügel nach g2 laufen! mein Turm musste die a-Linie halten, da Doric einen Bauern auf a2 und einen Turm auf a1 hatte. Als der König auf g2 ankam, dachte ich, dass darf doch nicht wahr sein, dass ich so eine Partie noch verliere. Ich suchte meine letzte Chance in einem Trick. Ich opferte den Turm für drei Bauern. Zum Glück fand Doric den Gewinnweg nicht, ich habe ihn übrigens bereits am Brett entdeckt. Schliesslich lief mein h-Bauer auch ins Ziel und er musste seinen Turm ebenfalls opfern. Am letzten Brett vergab Gabriel leider in Zeitnot den möglichen Mannschaftspunkt. Allerdings stand er bereits nach der Eröffnung klar schlechter, dennoch Schade, da er den Gegner zu einem ewigen Schach hätte zwingen können.

In den letzten beiden Runde hatten wir nochmals Teams die eher in unserer Reichweite lagen. Florian zertrümmerte am ersten Brett mit Weiss den Franzosen Cossin. Am zweiten Brett verlor Roland allerdings in sehr unübersichtlicher Stellung gegen Terrieux. Andi Huss musste seine sechste Niederlage in Folge einstecken, nachdem mir seine Stellung im Holländisch eigentlich gefallen hatte. Ich spielte eigentlich eine sehr gute Partie im Najdorf mit Lg5. Im entscheidenden Moment übersah ich allerdings einen entscheidenden Trick von Vitoux im ungleichfarbigen Läuferendspiel und vergab deshalb den Sieg und den ersten Mannschaftspunkt kläglich.

Über die letzte Runde kann ich nicht viel berichten, da ich Remis schob gegen Krejci, welcher sich damit eine GM-Norm sicherte! Andi und ich fuhren bereits vor dem Ende der anderen Partien mit dem Auto ab, da wir so noch vor Mitternacht in der Schweiz ankamen. Leider hat es auch in der letzten Runde mit den Mannschaftspunkten nicht geklappt. Immerhin konnte Roland den zweiten Einzelsieg für die Schweiz einfahren.

Fazit: Wir sind mit Abstand auf dem letzten Platz gelandet. Es wäre allerdings falsch zu sagen wir hätten sehr schlecht gespielt. Sowohl Florian wie Roland und auch Ich verlieren kaum Elo und spielten ordentliches Schach. Andi lief es halt einfach nicht nach Wunsch und es ist natürlich schwierig, wenn man in jeder Partie gegen Spieler mit mindestens 100 Elo mehr antreten muss. Das gleiche gilt einfach für Gabriel. Es ist also völlig vermessen von einem Platz in der vorderen Hälfte zu träumen, wenn man mit so einem Team an den Start geht. Ich wüsste auch nicht, weshalb ich nicht mit dem Turnier halbwegs zufrieden sein dürfte. Schliesslich ist es wesentlich einfacher eine Performance von 2300+ machen, wenn man zwischendurch einen 2100er schlagen kann, als wenn man dauernd gegen Spieler mit 2400+ spielen muss. Entscheidend ist für mich, dass ich jetzt die Lehren aus den Niederlagen ziehe und dann werte ich das Turnier als positiv.

Nächstes Jahr findet das Turnier übrigens in der Schweiz statt. Ich hoffe wir bringen ebenfalls eine so reibungslose Internetübertragung zu Stande. Die Partien dürften für meinen Geschmack allerdings schon um 14:00 beginnen.


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27. April 2009 - Meistertitel mit dem ASK Winterthur!!

Letzte Woche fand das spannende Finale in der SGM zwischen Valais und uns statt. Also ein richtiges Finale war es ja nicht, da die direkt Begegnung bereits in der zweiten Runde stattfand (Valais gewann 5-3). Valais spielte gegen Nimzowitsch Zürich und wir gegen Wollishofen. Ich verfolgte den Wettkampf zwischen den Wallisern und den Zürchern nicht wirklich. Bei einem kurzen Blick auf alle Bretter nach ca. 2 Stunden hatte ich aber kein gutes Gefühl. Ich selber war mit meiner Partie gegen Fabian Mäser genug beschäftigt. Er wählte eine Nebenvariante im Slawisch, welche ich nicht kannte. Mir war aber eine Idee aus dem Buch von Bronstein "Zurich 1953" bekannt, wo Weiss Lxf3 gxf3 zulässt trotz kurz rochiertem König. So kam es auch, aber ich musste im nachhinein feststellen, dass die Bauernstruktur doch nicht identisch war. Schliesslich war in der Partie zwischen Reshevsky und Petrosian das Zentrum geschlossen, währendem in meiner Partie das Zentrum zwar nicht einfach zu öffnen war, aber halt doch nicht geschlossen. Grossmeister Michael Prusikin meinte allerdings trotzdem ich hätte den richtigen Aufbau gewählt. Ich stand wohl leicht besser, aber die Stellung von Mäser war solid. Wir wiederholten zweimal die Züge. In einer normalen Partie hätte ich wohl die dritte Zugswiederholung angestrebt (aus meiner Sicht kann Schwarz nicht wirklich ausweichen), aber wir mussten sehr hoch gewinne, da es um jeden Einzelpunkt im Titelrennen ankam. Besser gesagt, wir hätten hoch gewinne müssen wenn Valais richtig aufgestellt hätte. IM Claude Landenbergue spielte am ersten Brett, hätte aber höchsten am zweiten Brett eingesetzt werden dürfen. Somit war klar, dass wir den Meistertitel holen. Danach spielte ich nicht mehr so gut weiter. Wir hatten beide Zeitnot, aber Mäser blitzte wohl einfach etwas besser wie ich an jenem Tag. Nach der Zeitkontrolle konnte ich den Bauernverlust nicht mehr abwenden und wickelte in ein Turmendspiel ab. Aus meiner Sicht agierte Mäser viel zu passiv und vergab die Gewinnchancen sehr schnell. In der Schlussstellung meinten zwar noch einige Teamkameraden von ihm, er hätte noch immer die bessere Stellung. Die Analyse war aber sehr oberflächlich und Damian Karrer hat aus meiner Sicht die Idee Blind auf dem Weg zum Meisteressen wiederlegt.

Mit 4,5 aus 6 war ich übrigens der beste Einzelspieler in meiner Mannschaft und habe somit meine Ungeschlagenheit in der SGM nun auf 3 volle Saisons ausgebaut.

26. April 2009 - Performance über 2400 in Deizisau

Über die Ostern spielte ich erneut in Deizisau das Neckar-Open. Zusammen mit Benedict und Oliver Hasenohr, Damian Karrer und meinem Bruder Florian reisten wir mit dem Auto in die Nähe von Stuttgart. Das Turnier gilt mit über 700 Teilnehmern als grösstes Open in Deutschland.

Die Startrunde verlief für mich ziemlich locker. Mein Gegner spielte die Cambridge Springs Variante, verpasste aber den Zug e5. Ich konnte anschliessend das Zentrum mit c5 und f4 schliessen und stand schon klar besser. Fasshauer versuchte später die Stellung mit f5 ganz zu schliessen, ich konnte aber mit g4 und anschliessendem Opfer alles öffnen und somit war der Weg zum feindlichen König frei.

In er zweite Runde spielte ich gegen Grossmeister Alexander Graf. Mein Bruder spielte bereits in der ersten Runde gegen ihn, allerdings ohne Chancen auf einen Punktgewinn. Graf spielte ein Königsinder mit d5 vor Sc6. Ich kannte mich nicht sonderlich gut aus und spielte die Stellung mehr nach Gefühl als Wissen. Ich habe die Partie noch nicht genau analysiert und weiss daher auch nicht wie gut oder schlecht ich stand. In der ersten Zeitnot kippte das Ruder aber wohl auf meine Seite. Mit einem kraftvollen Opfer konnte ich die Königsstellung schwächen. Vielleicht sah das aber auch gefährlicher aus als es war. Beinahe hätte ich mal die Dame eingestellt. Ich lese zur Zeit das Buch von Bronstein "Zurich 1953" und da sah ich eine geniale Partie von Kotov gegen Averbakh:

Averbakh - Kotov Kotov spielte hier Dxh3+!! wonach Weiss keine Rettung mehr hat.

Graf - Schiendorfer Ich dachte in Zeitnot über Dh4+?? nach... Zum Glück bemerkte ich noch, dass auf e4 ein entscheidender Bauer fehlt.

Die Partie endete in einer erneuten Zeitnotschlacht, welches von IM Souleidis auf Video aufgenommen wurde:

Link: Alexander Graf gegen Emanuel Schiendorfer

Nach dem verpassten Sieg gegen Graf, war ich froh einen Eloschwächeren zugelost bekommen zu haben. In Deizisau gibt es vier Doppelrunden! In dem Slawisch System dxc4, Lf5, welches dauernd im Match Topalov - Kramik gespielt wurde, stand ich nach der Eröffnung leicht besser. Meessen fand gute Züge und je länge je mehr gefiel mir die Stellung nicht mehr. Ich spielte anschliessend einfach mal Kh1 mit der Idee f4, was interessant gewesen wäre, aber bestimmt kein Drama für Schwarz. Mein Gegner fürchtete sich aber so sehr von diesem Zug, dass er umgehend eine Qualität opferte. Anschliessend war alles sehr einfach für mich. Es entstand beinahe ein identisches Endspiel wie in meiner SGM-Partie gegen Weindl. Schwarz hat am Damenflügel a,b gegen a, aber der schwarzfeldrige Läufer kann nur die Bauern decken. Währenddessen mein Turm und König am Königsflügel einbrechen und Bauern gewinnen.

IM Henryk Dobosz war mein nächster Gegner. Ich erinnerte mich sogar daran, dass dieser Dobosz in Budva 2003 als deutscher Trainer dabei war. Bei der Vorbereitung wurde mir etwas mulmig, als ich sah, dass Dobosz bereits seit über 25 Jahren Königsindisch mit h3 spielt. Ich war nach den Doppelrunden jeweils viel zu müde um noch lange Varianten anzuschauen. Die Eröffnung behandelte ich wohl zu ungenau und stand deshalb etwas schlechter. Ich entschied mich für ein Bauernopfer, um das Spiel dynamischer zu machen. Mein Gegner nahm das Opfer an, spielte aber zwei Züge später viel zu passiv. Er war im Entwicklungsrückstand und sein König hatte noch nicht rochiert. Dennoch zog er noch einmal mit seinem Springer, welcher eigentlich entwickelt war. Ich spielte aktiv weiter und erhielt volle Kompensation für den Bauern. Ich glaube, dass ich besser stand nach weiteren Zügen, aber die Stellung war wesentlich einfacher für meinen Gegner zu spielen, weil er selten zwei Möglichkeiten hatte. Ich gewann dann zwei Bauern und hatte somit einen mehr. Dobosz hätte aber in einem Moment nochmals ausgleiche können. Schlussendlich zerstörte ich seine Stellung mit einem hübschen Turmopfer.

Mit Grossmeister Ivan Farago traf ich auf einen für mich bekannten Gegner. Ich spielte bereits in Liechtenstein gegen den Ungaren, damals verlor ich in einem komplizierten Endspiel. In Deizisau hatte ich jedoch Weiss. In der Eröffnung spielte mein Gegner eine Nebenvariante in der damenindischen Verteidigung. Ich kannte die Bauernstruktur, die Stellung aber nicht explizit. Ich bemerkte allerdings nicht, dass es sich nicht um exakt die gleiche Bauernstruktur handelte wie in den Trainings, die wir mit Artur Jussupow angeschaut hatten, da mein Bauer bereits auf b3 stand, hatte Schwarz die Möglichkeiten mit La3 meine Türme auf der c-Linie zu vertreiben.
Im Mittelspiel stand ich zu passiv, fand aber im entscheidenden Moment den richtigen Zug. Nach einigen Abtauschen kam ich eigentlich in ein besseres Endspiel, überschätze aber die Stellung meines Gegners und spielte nicht energisch genug. Die Partie endete dann schnell Remis.

In der sechsten Runde spielte ich gegen einen Titellosen Polen, welcher allerdings deutlich über 2450 hat. Ich erhielt die gleiche Eröffnungsstellung wie in Moskau in der ersten Runde. Ich machte allerdings schon kurz danach einen positionellen Fehler. Meine Königsstellung war geschwächt und mein Gegner konnte das Läuferpaar von mir abtauschen. Ich bekam nochmals dynamische Gegenchancen, spielte allerdings zu ungenau und wurde dann überspielt.

Mit der siebten Runde begannen bei mir auch definitiv die Müdigkeitserscheinungen. Meine Partien waren bis auf die erste Runde alle sehr lange und anstrengend. Ich spielte gegen einen jungen holländischen FM. Klejin wählte die Königsindische Verteidigung mit Sa6. Ich hatte in der letzten Zeit sehr gute Erfahrungen mit dieser Eröffnung gemacht und war deshalb sehr optimistisch. Mein Gegner kannte die Theorie aber wesentlich besser als ich. Ich erreichte schnell ein Endspiel mit Springer und Turm gegen Springer, Läufer und zwei Bauern. (je noch einige Bauern). Seine Bauern waren allerdings schwach und es war klar, dass nur ich auf Gewinn spiele. Ich eroberte einen ersten Bauern zurück und dachte ich hätte ein gewonnenes Endspiel. Mein Gegner verteidigte aber sehr genau und fand mit einem Gabeltrick einen Remisweg. Ich denke, dass ich mit guter Technik gute Gewinnchancen gehabt hätte, aber ich war nicht mehr in der Lage korrekt lange Varianten zu berechnen.

Am letzten Tag konnte ich leider nicht mehr an meine gute Leistungen anknüpfen. Ich spielte zuerst gegen den gleichaltrigen Fodor Tamas aus Ungarn. Ich kannte diesen Spieler noch von der U16 Olympiade in der Türkei. Ich war allerdings überrascht, dass er nur "2402" Elos hat. Schliesslich war er damals bereits schon deutlich über 2300. Er spielte mit Weiss eine sehr seltene Variante im Königsinder, welche ich nicht kannte. Ich habe in letzter Zeit aber viele Standartmotive im Königsindisch angeschaut und fand die Ideen hinter diesem System. Ich denke ich kam ziemlich problemlos zu einer ausgeglichen Stellung, tauschte aber anschliessend unbedacht meinen Springer ab und war im Entwicklungsrückstand. Nun musste ich eine passive Stellung mühsam verteidigen und hatte noch viel weniger Zeit. Ich hatte die Bauern a6 und b5 und er a2 b2. Sein Läuferpaar drückte bereits von f2 und e2 und zudem kontrollierte er die c-Linie. Ich entschied mich dann mit Lxb3 axb3 die Bauernstruktur meines Gegners auf Kosten des Läuferpaares zu zerstören. Obwohl ich danach immer noch kritisch stand, denke ich dass diese Entscheidung richtig war. Fodor spielte anschliessend zu ungenau und musste Abtausche zulassen, welche in meinem Sinn waren und somit war das Remis sichergestellt.

In der letzten Runde spielte ich gegen einen deutschen IM namens Becking. Ich glaube ein Remis hätte meine erste IM-Norm bedeutet. Ich spielte aber mit Weiss so schlecht wie schon lange nicht mehr. Ich war einfach nicht mehr fähig mich zu konzentrieren. Nicht aus Nervosität oder Druck Gründen, sondern schlicht weil ich zu Müde war. Ich verlor einen ersten Bauern, dann einen zweiten und kurz darauf noch eine Figur. Nach zwei Stunden gab ich bereits aus. Das war dann eine sehr schwache Vorstellung in einem eigentlich sehr guten Turnier. Immerhin blieb meine Performance über 2400 und der FM-Titel sollte bei einem normalen Ergebnis am Mitropa Cup auch kommen. In der Schweizer Führungsliste habe ich die 2300 ja bereits überschritten.

24. März 2009 - 4,5-3,5 Sieg gehen Riehen in der zweiten SMM

Am Sonntag starteten wir in die neue SMM Saison. Offiziell war es bereits die zweite Runde, aber unsere erste Runde haben wir aufgrund des Aeroflots Open in Moskau verschoben. Die Lage in dieser Saison ist ziemlich interessant. Bodan scheint die klar schwächste Mannschaft zu sein, kann aber durchaus jemanden ein Bein stellen. Ein Nichtabstieg Bodans wäre eine sehr grosse Überraschung, aber für den zweiten Abstiegsplatz kommen mehrere Mannschaften in Frage. Aufsteiger Genf, Wollishofen und wir sind wohl am stärksten gefährdet. Aber auch Lausanne und Riehen dürfen sich nicht sicher fühlen. Der Titelfavorit ist für mich natürlich die SG Zürich, welche alles daran setzt ihr 200 jähriges Jubiläum mit einem weitern Mannschaftsmeistertitel zu krönen. Die Zürcher werden sich aber erst ein mal gegen Teams wie Mendrisio, Reichenstein und Luzern durchsetzen müssen.

Winterthur gegen Riehen scheint immer eine knappe Angelegenheit zu sein. Letztes Jahr endete der Wettkampf mit sieben Remis und einem Sieg für die Basler. Dieser mal konnten wir dank einer guten Mannschaftsleistung zurück schlagen. Am Brett 1 machte Artur Jussupow, welcher etwas angeschlagen war, gegen Ognjen Cvitan remis. Am Brett zwei verlor Richard Forster in einer interessanten Partie gegen Jörg Hickl nach sehr langem Kampf. Am dritten Brett drückte Oliver Sutter mit seinem Läuferpaar auf die Stellung von Roland Ekstroem. Leider reichte es nicht zum Sieg. Andi Huss hatte gegen Ralph Buss keine Probleme und holte den halben Punkt mit Schwarz sicher. Brett sechs war wahrscheinlich entscheidend für den Wettkampf. Martin Ballmann gewann schon früh Material gegen Flückiger Christian. Dies schien uns Sicherheit zu geben und setzte Riehen etwas unter Druck. Martin holte schlussendlich auch den ganzen Punkt. Am letzten Brett konnte Kambez Nuri mit einem Schwarzsieg gegen Welf Aumann überzeugen und den wichtigen zweiten Sieg einfahren.

Ich spielte am Brett sieben gegen Hansjürg Känel. Ich spielte bereits einmal gegen ihn an der Winterthurer Schachwoche, wo ich eine total gewonnene Stellung ins Remis verdarb. Der Berner versuchte es trotz der schlechten Erfahrung noch einmal mit dem Wolga-Gambit. Früher mochte ich diese Eröffnung überhaupt nicht mit Weiss. Mittlerweile gefällt mir das Gambit aber immer mehr für Weiss. Bereits in Moskau kam ich in eine vorteilhafte Stellung. Ebenso in der Partie gegen Känel. Ich hatten den Bauern immer noch mehr und es waren bereits 3 Leichtfiguren abgetauscht, darunter auch der goldene schwarze Läufer auf g7. Ich übersah aber in einer entscheidenden Variante einen Zwischenzug und somit büsste ich meinen Vorteil ein.

Schiendorfer - Känel

Ich zog hier Ta4 es folgte Txa4 Dxa4 Sb6. Natürlich habe ich diesen Zug noch gesehen. Ich zog Sxb6 Dxb6 und als ich Ta4 spielte, dachte ich nun könne ich Dd7 Txa5 Dxe7 spielen und Schwarz kann nicht auf b2 nehmen, da d6 hängt. Db8 scheitert wahrscheinlich an e5. Das Problem der netten Variante. Nach Dxe7 kommt Ta7! und ich habe kein gutes Feld für meine Dame.
Anschliessend spielte ich wohl ungenau und fand mich in einem mühsamen Turmendspiel wieder. Dort verteidigte ich aber stark:

Schiendorfer - Kaenel

Hier spielte ich g4. Känel blieb nichts anderes übrig als Th4. Es folgte gxf5 Txf4 Kg3 Tf1 Kg2 Ta1 f6 Ta8 Tf5 Tf8 f7. Dies war aus meiner Sicht forciert.

Schiendorfer - Känel

Diese Stellung sollte aus meiner Sicht Remis sein. Ich dachte Schwarz versucht d4 Kf3 Kd3, aber nach Kf4 Ke2 Ke5 d3 Ke6 d2 folgt Te5+ mit Remis. Känel versuchte es mit Kc5 Kf3 Kd6 Kf4 Ke6, aber nach Te5+ Kxf7 Tf5+ Kg7 Txf8 Kxf8 Ke5 ist die Stellung Remis. In der Partie setzte er mich noch mit dem Randbauer patt. Naja mir war es egal mit diesem halben Punkt hatten wir nämlich den Mannschaftssieg in der Tasche.

13. März 2009 - Zwei Schlussrundenniederlagen trüben das Ergebnis in Moskau

Vom 17. - 27. Februar spielte ich zum dritten Mal am Aeroflot Open in Moskau mit. Neben mir waren mit Kambez Nuri, Roman Freuler und Michael Bucher, drei weitere Spieler der SG Winterthur in Russland am Start. Wie bereits im letzten Jahr war ich den Kategorie B (2200-2400).

Mein Turnier begann ziemlich ruhig. In der ersten Runde spielte ich gegen einen russischen IM namens Nedochetov. Mein Gegner wählte eine relativ zahme Variante im Königsinder. Nach Lg5 schwächte ich meinen Königsflügel mit h6 und g5, bekam dafür aber anschliessend das Läuferpaar. Kurz darauf einigten wir uns auf Remis.

In der zweiten Runde spielte ich gegen Egorov Dimtry aus Russland. Mein Gegner spielte mit Schwarz das Wolga Gambit. Nachdem ich in früheren Partien meistens zu b6 griff (Ablehnung des Bauern) war ich dieses mal gierig. Egorov erlaubte sich zwei drei Ungenauigkeiten und schon hatte er einen Bauern zu wenig. Kompensation hatte er praktisch keine mehr. Nun verteidigte er aber sehr stark. Trotzdem kam ich Schritt für Schritt dem Sieg näher. Aber irgendwie bemerkte ich das nicht und sah Drohungen des Gegners, welche gar nicht existierten. Ich schwächte später meinen Königsflügel und Egorov bekam Gegenspiel. Schlussendlich endete die Partie mit ewigem Schach. In der Analyse fand Rybka noch kurz vor Schluss einen Gewinn für mich:

Schiendorfer - Egorov (Klicken Sie auf das Bild)
Mit Df7+ Kh8 Sb6! hätte ich noch gewonnen. Aber mit 3 Minuten auf der Uhr im 30 Sekunden Modus suchte ich nach einer direkten Lösung am Königsflügel, welche aber leider nicht vorhanden ist.

Am gleichen Tag hatten wir noch die einzige Nachmittagsrunde. Tologontegin aus Kyrgyzstan wählte im Najdorf die Variante mit 6.f4, wich aber kurz danach von der Hauptvariante ab. Ich bekam einen rückständigen Bauer auf d6, war aber mit diesem Stellungstyp vertraut, da ich vor kurzem das Buch "Geheimnisse der Bauernführung im Schach" von Drazen Marovic gelesen habe, welches ich übrigens sehr empfehlen kann. Ich opferte meinen Bauern und bekam dafür das Läuferpaar und mächtig Druck auf beiden Flügeln. Meine Kompensation war mehr als nur ausreichend, aber ich machte anschliessend einen ungenauen Zug und büsste einen Teil meines Vorteils ein. In der Schlussstellung bevorzugt Rybka immer noch klar meine Stellung, mir ist allerdings nicht klar wieso.

In Runde vier spielte ich gegen einen jungen, welcher ebenfalls in Vietnam war. Kulakov versuchte es mit dem klassischen Damengambit. Er schien die Variante wesentlich besser zu kennen und konnte objektiv ausgleichen. Mir gefiel allerdings meine Stellung mit dem Freibauern und ich hatte wieder einmal wesentlich mehr Zeit. Der Russe machte in Folge einen ungenauen Zug und er kam in eine passive Stellung. Mit wenig Zeit auf der Uhr übersah er schlussendlich eine hübsche Kombination:

Schiendorfer - Kulakov(Klicken Sie auf das Bild)

Der letzte Zug war Tc7? Nun konnte Schwarz nach Sg6+! fxg6 fxg6 aufgeben. Die Stellung war aber auch nach dem viel besseren Te7 Df4 unangenehm für Schwarz. Dxc6 scheitert z.B. an f6! Dxf6 Dg3 gefolgt von Sg6. Leider sollte dies mein einziger Sieg in Moskau bleiben.

Mit Anastasia Bodnaruk wartete die grosse Frauennachwuchshoffnung aus Russland auf mich. Vorbereiten ist gegen diese Gegnerin sinnlos, da sie einfach alles spielt. Mit ihrer Eröffnungswahl hatte sie aber keine sehr glückliche Hand. Sie spielte im Najdorf eine Variante, welche ich mit IM Beat Züger sehr lange analysiert habe. Bodnaruk brauchte nach meinen Opfern viel Zeit, um anschliessend in ein Endspiel zu gehen, in welchem ich mit Schwarz mindestens Ausgleich hatte. Anschliessend zeigte sie aber weshalb sie bereits eine Zahl von 2384 besitzt. Ich kam etwas unter Druck konnte aber im richtigen Moment mit einer genauen Verteidigung das Remis sichern.

Von Runde sechs beging ich schlechter zu spielen. Die Gründe sind mir nicht ganz klar. Eröffnungsmässig waren vor allem meine zwei Weisspartien nicht mehr nach meinem Geschmack. Batchuluun aus der Mongolei wählte die Damenindische Verteidigung. Ich hatte einen kleinen Vorteil, spielte anschliessend aber etwas planlos und stand aus meiner Sicht schlechter. Der Mongolese fand aber im entscheidenden Moment nicht den richtigen Zug und ich kam in ein leicht besseres Endspiel. Wieso ich das so einfach Remis gab, kann ich im nach hinein nicht mehr verstehen. Während der Partie war ich einfach nur froh nicht die erste Niederlage eingesteckt haben zu müssen.

Kirusha Andrey war mein zweiter IM. Ich kam mit Schwarz im Königsinder in der Bayonetvariante, welche ich selber mit Weiss schon oftmals erfolgreich angewendet habe, sogar zu einem kleinen Vorteil. Alle meine Figuren standen aktiv. Mein Gegner fand anschliessend eine Abtauschvariante, nach welcher mein Vorteil nur noch sehr klein war. Danach spielte ich sehr ungenau und mein Gegner kam sogar in eine angenehme Stellung. Mein König hatte etwas viel Luft, was Kirusha mit einigen Zwischendrohungen ausnützte. Ich opferte etwas verzweifelt einen Bauern, um die Damen tauschen zu können. Ob das Endspiel gewonnen gewesen wäre, weiss ich nicht, aber ich habe mich gut verteidigt und hatte am Schluss sogar noch Turm und Bauer gegen Turm. Selbstverständlich kannte der IM das Prinzip mit der dritten Reihe...

Die siebte Runde werde ich wohl nicht so schnell wieder vergessen. Mit IM Vasilevich Irina zog ich das perfekte los. In der Partie hatte ich vielleicht keinen Vorteil, aber ich hatte fast eine Stunde mehr auf der Uhr. Dies konnte ich in einen materiellen Vorteil umwandeln, indem ich einen Bauern gewann. Das Dame+Turm Endspiel war allerdings sehr schwierig zu gewinnen, dennoch kam ich Schrittweise voran. Bis ich die mögliche IM-Norm einzügig hinstellte:

Schiendorfer - Vasilevich(Klicken Sie auf das Bild)

Hier zog ich Kg1?? Nach Tc3, verlor ich nicht nur den Bauern g3. Mein König wird gleich so schwach, dass Rybka bereits -4.03 anzeigt! Dd2 anstatt Kg1 hätte mir durchaus noch Gewinnchancen gelassen. Vor allem in Anbetracht, dass die Russin keine Zeit mehr hatte.

In der letzten Runde hatte ich auch noch Lospech. Ich bekam es mit der Startnummer 1 IM Aleshin Oleg zu tun. Der Russe spielte nicht wirklich agressiv und hatte auch keinen Vorteil, aber ich konnte mich nach der bitteren Niederlage am Vortag nicht mehr richtig erholen und eine Kombination, welche ich normalerweise blind berechnen könnte.

16. Februar 2009 - Unsere Mannschaft setzte sich gestern in Team-Cup Final mit 3-1 durch

Nachdem bereits den Halbfinal ausgelassen hatte, verzichtete ich auch gestern im Final zu spielen. Grund ist natürlich das Aeroflot Open in Moskau und zudem hatte ich gestern noch ein Internetabschlusstraining. Als Zuschauer war ich aber dabei.
Als ich um vier Uhr in Olten war, glaubte ich nicht so recht an einen Sieg von unserer Mannschaft. Am ersten Brett stand Jonas Wyss gegen Yvan Massery positioniell klar schlechter. Am zweiten Brett hatte Damian Karrer gute Kompensation für einen Bauern. Am dritten Brett gefiel mir die Stellung von Julian Schärer nicht wirklich. Immerhin hatte Manuel Sprenger am letzten Brett einen kleinen aber soliden Vorteil dank dem Läuferpaar. Aber insgesamt schrieb ich eigentlich, dass erste Brett schon ab und das dritte sah nicht besser aus. Dann kehrte aber der Match rasant. Der Gegner von Burgeno stellte relativ simpel eine Qualität für einen Bauern ein. Die Partien von Damian und Manuel waren plötzlich beide gewonnen, weshalb das so schnell war meinen Augen entgangen. Somit brauchten wir nur noch ein Remis. Dieses sicherte uns Julian Schärer, aber sein Gegner wurde wohl dazu verdonnert auf Gewinn zu spielen und stellte nochmals was ein. Die zwischenzeitliche Niederlage von Jonas konnten wir also problemlos verkraften.

Ich bin nicht wirklich überrascht, dass wir mit diesem Mannschaft den Team-Cup gewinnen konnte, dass wir aber nie ein 2-2 benötigten ist Klasse. Vor diesem Team muss sich aber niemand mehr fürchten, da mittlerweile nur noch 3 dieser 6 gleichzeitig in eineer Mannschaft spielen könnten.

10. Februar 2009 - Klarer Sieg mit dem ASK Winterthur in Lugano

Am letzten Wochenende mussten wir eine lange Zugreise auf uns nehmen. Unser Gegner in der 1. Bundesliga hiess Lugano CS. Im Zug jassten jeweils vier, der Rest beschäftigte sich anders. Ich vergnügte mich mit der neuen Ausgabe von New in Chess. Unterwegs sahen wir ausserdem extrem viel Schnee, zum Glück war das in Lugano wieder vorbei.
Der Wettkampf verlief ziemlich einseitig, da Lugano auf viele Spieler verzichten musste. Aus meiner Sicht wurden wir zwar Zwischendurch etwas nachlässig, dennoch reichte es zu einem souveränen 6,5 - 1,5 Auswärtssieg. Dank dem Punktverlust von Valais gegen Wollishofen können wir in den Schlussrunden sogar noch um den Titel spielen. Die Equipe aus dem Wallis liegt zwar 1,5 Einzelpunkte vor uns hat aber mit Niederrohrdorf noch einen starken Gegner vor sich.

Meine Partie im Tessin war nicht sehr spannend. Mit Weiss durfte ich wieder mal den heiss geliebten Königsinder spielen. Ich hatte aber schon lange keinen Gegner mehr, der sich so schlecht auskannte. Die Züge von Ivancev waren eigentlich in Ordnung, aber schon nach ca. 17 Zügen hatte ich eine ganze Stunde mehr auf der Uhr! Seine Stellung war zudem schon verloren. Er wählte schlussendlich die einfachste Möglichkeit und liess die Zeit fallen. Freude am Sieg bekam ich eigentlich erst zuhause, als ich bemerkte, dass Ivancev immerhin 2150 internationale Elo hat.

Fazit: Es war ein netter Samstag, aber wirklich gefordert wurde weder ich noch das ganze Team. In Moskau werden mir ganz andere Kaliber gegenübersitzen...

13. Dezember 2008 - Knapper Mannschaftsieg mit dem ASK Winterthur

Vor einer Woche spielten wir die dritte Runde der Gruppenmeisterschaft gegen BVB Basel. Der Wettkampf war sehr ausgeglichen. Ich war den ganzen Wettkampf so vertieft in meine Partie, dass ich gar nicht viel von den anderen Brettern mitbekam. Am letzten Brett einigten sich Borner und Holzhauer als erstes auf Remis. In der Zeitnot verlor Kambez Nuri wohl eher unnötig gegen Perez. Gabriel Gähwiler konnte sich am fünften Brett irgendwie ins Remis retten. Kelecevic und Pfrommer teilten ebenfalls die Punkte. Andi Huss gewann aber am dritten Brett die erste Partie für uns gegen Melkumjanc. Die letzten drei Partien mussten also entscheiden. Florian Jenni musste ein Turmendspiel mit Minusbauern gegen Andreas Heimann verteidigen, während dem Michael Bucher und ich leicht besser standen. Die Partien von Jenni und Bucher endeten auch noch beide Remis. So war ich wieder einmal der letzte, der noch spielte.

Meine Partie gegen Clemens Werner war lange Zeit relativ ruhig und ich stand wohl immer leicht besser. Ich erinnerte mich an eine Partie von Petrosjan, welche mir sehr ähnlich vorkam. Allerdings ging, dass bei mir nicht so einfach wie damals beim Armenier. Ich fand in der ersten Zeitnot sogar den Weg für meinen Gegner etwas Vorteil herauszuholen. Zum Glück fand er ihn nicht und ich stand weiterhin etwas besser. Ich sah später eine Idee eine Qualität zu opfern, damit ich zwei verbundene Freibauern erhalte. Ich war mir nicht sicher wie korrekt das Opfer wirklich ist und schliesslich setzte ich dadurch auf den Mannschaftspunkt(e) in Gefahr. Ich konnte aber einfach nicht wiederstehen mit dem Gedanken an Petrosjan ^^ Im Nachhinein glaube ich, dass das Opfer zwar korrekt ist, aber wohl nicht zum Sieg reicht. In der Partie zeigte es aber die gewünschte Wirkung. Mein Gegner rechnete wohl nicht damit und das Opfer machte ihn wohl psychologisch fertig. Mit meinem ersten Sieg für Winterthur sicherte ich gleich den wichtigen Mannschaftssieg.

28. November 2008 - SGM Niederlage

Vor zwei Wochen gab ich mein SGM Debut bei der ASK Winterthur. Es war meine erste Bundesliga Saison nach zwei Jahren 1.Regionalliga mit einer Bilanz von 13 aus 14 Partien. Die erste Runde konnte ich aufgrund der Junioren WM in Vietnam nicht spielen. Meine Teamkollegen schlugen aber mit Birsfelden Beider Basel, einen die wahrscheinlich stärkste Mannschaft. In der zweiten Runde spielten wir in Sion gegen Valais. Die Walliser sind mit den Baslern wohl die grössten Favoriten auf den Titel in einer relativ ausgeglichenen Liga. Die Equipe trat allerdings nicht in Bestbesetzung an, da ihre zwei GMs Pelletier und Prushikin an der Olympiade in Dresden im Einsatz sind. Insgesamt lag ihr Elodurchschnitt trotzdem einige Punkte höher. Ich spielte gegen Gerrard Nüesch mit Schwarz. In der Sämischvariante der Königsindischen Verteidigung wählte ich eine etwas seltene Zugfolge. Ich habe die Partie noch nicht analysiert, aber ich glaube ich habe eine zwei Varianten miteinander verwechselt. In der Partie gefiel mir zuerst die Stellung trotz Läuferpaar nicht so gut. Ich war dann allerdings froh als mein Gegner ein Bauernopfer zu liess, welches mir einiges an Spiel einbrachte. Dadurch entstand ein Endspiel mit einigen Schwächen, guten und schlechten Läufern, aktiven und passiven Türmen. Kurz gesagt: Ich fand es interessant!  In der Folge gefiel mir meine Stellung immer besser. Ich übersah aber eine aktive Verteidigungsmöglichkeit meines Gegners und verlor daraufhin etwas den Faden. Ich musste einen Bauern abgeben und stand wohl klar schlechter. Danach verteidigte ich mich aber recht zäh und Nüesch forcierte zu schnell seinen Freibauern, welcher ich blockieren konnte und zur  Schwäche wurde. Ich konnte anschliessend sogar zwei Bauern gewinnen. Das Endspiel mit S+L+2Bauern gegen S+L+Bauer war leider einfach Remis. Vielleicht hätte ich vorher mehr Risiko nehmen können, aber ich dachte eigentlich, dass meine Teamkollegen recht gut stehen.
Neben mir spielten Andi Huss und Michi Bucher, welche beide gewannen und Martin Ballmann stand am zweiten Brett auch wieder OK gegen Julien Carron. Am ersten Brett verlor Nedjelko Kelecevic  gegen Vladimir Lazarev mit Schwarz. An den letzten drei Brettern ging aber schlussendlich alles in die Hose. Gabriel Gähwiler verlor eine angenehme Stellung. Daniel Borner stand aus meiner Sicht lange Zeit klar besser und verlor doch eher unglücklich gegen Jonathan Tordeur, welcher jedoch wusste wie man den Läufer gegen einen Springer einsetzen muss. Am letzten Brett stand Kambez Nuri schon fast auf Gewinn und musste als letzter sogar noch aufgeben. Ich glaube an diesen Brettern entschied vor allem das schlechte Zeit Management. Alle verloren angenehme oder sogar klar bessere Stellungen mit wenig Zeit auf der Uhr. Durch diese Niederlage ist unsere Mannschaft zwar etwas zurückgefallen, aber es sollten noch etwas schwächer Teams auf uns warten!

2. November 2008 - Thank you Vietnam

WYCC Vietnam 2008In diesem Jahr fand die Jugend-WM vom 19.- 31.10.2008 in Vung Tau (Vietnam) statt. Die Schweizer Delegation bestand aus 6 Spielern, 2 Trainern und 2 weiteren Begleitern.

In einem 14-stündigen Flug von Zürich via Frankfurt nach Ho-Chi-Minh City vertrieben wir uns die Zeit hauptsächlich mit Musik hören, Blindschach und ungemütlichen Schlafpositionen. Nach einer einstündigen Pause in Bangkok dachten wir jedoch nicht mehr ans Schlafen. Gespannt schauten wir unserer Ankunft entgegen.
Nach unserer Ankunft passierten wir die Kontrollen und wollten uns eigentlich an der Luft erfrischen. Aber kaum die Haupttüre aufgemacht, schlug uns eine Hitzewelle gegen 30 Grad Celsius und einer 80-prozentigen Luftfeuchtigkeit entgegen. Nach diesem ersten Schock wurden wir herzlich von aufgeregten Vietnamesen empfangen. Die Hitze war schnell vergessen, denn ein paar Sekunden später befandenVietnam Chess WYCC 2008 wir uns schon im Kreuzfeuer von undeutlichen englischen Fragen, denen wir kaum noch entgegnen konnten. Wir amüsierten uns jedoch prächtig an ihrem Interesse und ihren verdutzten Blicken zu Alex, der sie haushoch überragte und seinen Kopf senken musste, um ihnen in die Augen zu schauen. Tatsächlich waren die Vietnamesen (allesamt Studentenalter) um ganze Köpfe kleiner als die Schweizer Delegation.
Danach „durften“ wir ca. 1.5 Stunden auf einen Bus warten, der uns vom Flughafen nach Vung Tau bringen sollte. Wir vertrieben uns die Zeit mit Gesprächen mit den Vietnamesen. Nach Verabschieden von unseren Verehrern (wie anders beschreiben, wenn dieses Word exakt zutrifft?) fuhren wir dann mit der deutschen Delegation über 3 Stunden zu unserem Hotel. Ich bemerke hier noch, dass mehr als die Hälfte dieser Zeit in die Fahrt durch die Stadt Ho-Chi-Minh geflossen ist. Allein auf der Strasse sah ich mehr Motorräder, als ich in der gesamten Schweiz jemals zu Gesicht bekommen habe…
Nachts kamen wir dann im Hotel Cap Saint Jacques des Dic-Star Areals an. Müde und hungrig schleppten wir in dieses grosse Vier-Sterne Hotel.
Cap Saint Jacques Hotel VietnamKurz zum Hotel: entgegen unserer Erwartungen war es unerwartet hygienisch, was es uns natürlich leicht machte, sich fast wie zu Hause zu fühlen.
Wir waren zusammen mit den Delegationen der USA, Süd Afrika, Niederlande, Österreich, Australien, Slowenien, Singapur, einigen Vietnamesengruppen u.s.w.
Die Cafeteria war gross genug (die Tische nicht) um alle Teams zu bewirten.
Dann verschlangen wir noch ein ganzes Vier-Gänge-Menu, wonach wir dann wirklich satt waren. Schweissgebadet suchten wir eine weitere Stunde später unsere Zimmer auf und liessen uns nach einer 18-stündigen Reise schlapp ins Bett fallen.
Die Zeitverschiebung betrug dort 5 Stunden, was heisst, dass wir am nächsten Morgen (die Meisten schliefen in den Mittag) um 6 Uhr Schweizer Zeit bereits wieder müde aus dem Bett stiegen. Wir erfrischten uns gemeinsam in dem grossen Swimmingpool des Hotels und assen dann gemeinsam zu Mittag.
Nach der Ankunft von Wladimir Tukmakov setzte Alexandre ein Training an für den Nachmittag. Dort lösten wir einige Aufgaben und analysierten die Partien von Anand-Kramnik. Bei Gelegenheit verwetteten Benedict und ich gleich 10 Franken auf Kramnik, während Gabriel dagegenhielt. Am Abend amüsierten wir uns mit Einsetzschach, ärgerten Alex (Mais no, ce n’est pas vrai ca!) oder spielten am Computer.

Am 19. Oktober fand die Eröffnungszeremonie statt. Normalerweise ist dies eher ein langweiliger Akt für die Spieler. Man sitzt auf seinem Platz und hört irgendwelchen Reden zu, welche inhaltlich selten spannend sind. In Vietnam war dies alles ganz anders. Schon als wir mit unserem Bus ankamen, sahen wir eine grosse Menschenmenge, was unüblich ist für eine Eröffnungszeremonie. Wir schwenkten unsere kleinen Schweizerfähnchen, die uns der Organisator nach dem Fototermin geschenkt hat, während dem uns vietnamesische Schulmädchen und Knaben bewunderten. Schon vor dem Stadion begeisterten Kinder unter einem Drachenkostüm mit ihrem Tanz. Im Lynn and Emanuel Schiendorfer Vietnam ChessStadion herrschte eine enorme Hitze, aber die Show liess ich mir deswegen nicht entgehen. Auf dem Programm standen viele Songs von bekannten Musikern aus dem Gastgeberland. Bevor die Eröffnungszeremonie überhaupt angefangen hat, zog jedoch ein Südafrikanischer Begleiter sein Ding ab. Er startete die Welle wie an einem Fussballmatch und als sie unterbrochen wurde, hörte man knallharte Pfiffe. Die Welle kam tatsächlich zu Stande und war sicher eine Premiere unter den Schachspielern. Anschliessend begann die eigentliche Zeremonie. Die Lieder waren überraschenderweise sehr modern und klangen toll. Die Reden waren aber auch hier öde, dafür konnten die Tänze umso mehr überzeugen.
Als ich die Halle verliess, traf ich noch eine Kasachische Freundin mit der ich noch kurz plauderte. Ich und Kambez machten uns dann auf den Weg zum Bus, welcher uns zu unserem Hotel zurück bringen sollte. Das passierte aber das unfassbare... Die vorher erwähnten Schulmädchen kamen uns entgegen und wollten unbedingt Fotos mit uns machen. Erst dachten wir uns nicht viel dabei und lächelten in die Kamera. Es wurden allerdings immer mehr und wir wussten nicht mehr was mit uns geschieht. Kambez und ich haben keine Ahnung wie viele Fotos machen und E-Mail Adressen aufschreiben mussten/durften. Als wir dann aber auch noch um Autogramme gebeten wurden, verstanden wir wirklich nichts mehr. Dies Emanuel Schiendorfer Vietnamgeschah alles während einem wunderschönen und langen Feuerwerk. Kambez und ich mussten anschliessend alleine den Bus nehmen, da die anderen Schweizer sich schon lange zuvor zu Fuss auf den Weg gemacht hatten. Der ganze Abend war einfach gigantisch und werde ich sicher nie mehr vergessen!

Und nun ging es los... Mein Tag begann normalerweise um ca. acht Uhr, da das Morgenessen nur bis halb neun zugänglich war. Nach dem Breakfast ging fast die ganze Delegation zum Swimmingpool, um ein wenig zu plantschen. Selbstverständlich kauften wir uns vorher einen Ball. Wir improvisierten zwei Tore und machten ein "Wasserball". Es machte ziemlich Spass obwohl unser Team "Team Kramnik" gegen "Team Anand" verlor. Etwa um 12:30 standen bereits die Paarungen für die erste Runde fest. Mit meinem Los war ich eigentlich sehr zufrieden, leider hatte ich nicht genug Zeit um mich gut auf die Partie vorbereiten zu können.

Schiendorfer Emanuel - Saric Ivan 0 - 1
In einem Königsinder mit Sa6 setzte ich die Partie sehr scharf an und opferte einen Bauern. Der Kroate schien aber nicht sehr beeindruckt und spielte eine analysierte Variante herunter. Durch eine Ungenauigkeit verschwand langsam meine Kompensation. Ich gewann den Bauern zwar noch zurück, stand aber klar schlechter. Der spätere Weltmeister liess mir anschliessend keine Chance mehr und nahm mich total auseinander.

Rian Kapriaga - Schiendorfer Emanuel 1/2 - 1/2
Den Indonesier, welcher nur mit 2054 geführt ist, wollte ich natürlich unbedingt schlagen. Mein Gegner wählte den geschlossenen Sizilianer. Ich hatte relativ schnell eine ausgeglichene Stellung. Ich war allerdings zu ungeduldig und forcierte zu schnell. In einem Endspiel versuchte ich jederzeit den Remisvarianten auszuweichen, machte aber dabei eher schlechte Züge. Ich stand eigentlich schon auf Verlust als ich noch eine Remisidee fand... Zum Schluss war es etwas Glück, aber ich merkte schnell, dass mein Rian total unterschätzt war. Sonst hätte er am Schluss kaum 50% gemacht!

Schiendorfer Emanuel - Herath Nishendra 1 - 0
In der ersten Partie der Doppelrunde spielte ich gegen einen Spieler aus Sri Lanka. Der hatte sich gut vorbereitet und spielte das Albins Gegengambit. Ich konnte mich allerdings noch an eine Vorbereitung von der SEM 2007 gegen Aschi Rindlisbacher erinnern. Mit Rybka fand ich damals einen Weg ein besseres Endspiel zu bekommen. Die Partie lief genau nach meinen Analysen ab. Statt ins schlechte Endspiel abzuwickeln opferte Herath einen Bauern. Er hatte aber null Kompensation und ich konnte ihn am Damenflügel überrennen.

Aharon Ofir - Schiendorfer Emanuel 0 - 1
Gegen den Israeli hatte ich eine Najdorfvariante mit h3, welche ich nicht kannte. Ich entwickelte mich danach einfach normal und bekam eine leicht bessere Stellung. Meine 2 Türme und Dame waren wesentlich aktiver als die meines Gegners. Er rochierte lang und ich klein somit kam es zu Bauernstürmen. Da ich aber die halboffene c-Linie kontrollierte hatte ich Vorteil, welche ich überzeugend in einen Vollerfolg umsetzen konnte.

Schiendorfer Emanuel - Pereira Ruben 1/2 - 1/2
Der Portugiese spielte eine seltene Variante im angenommen Damengambit. Ich brauchte viel Zeit bekam aber eine ansprechende Stellung. In Zeitnot schwankte die Stellung mehrmals etwas hin und her. Nach der Zeitnot beging ich aber ein grosser Fehler. Ich zog Sh4 ohne lange nachzudenken, weil ich wusste, dass es Remis wird. Hätte ich Se4 gezogen, hätte ich gar gewonnen. Dies ärgerte mich zwar ein bisschen in der Analyse, aber ich war trotzdem zufrieden mit meiner Partie.

Schiendorfer Emanuel - Guilleux Fabien 0 - 1
In meiner Lieblingseröffnung dem Bayonet Königsinder erhielt ich eine sehr angenehme Stellung. Ich stand aktiv am Damenflügel und das Gegenspiel von meinem Gegner an Königsflügel war noch nicht in Sicht. Je länger je mehr verlor ich leider den Faden. Ich manövrierte zu lange hin und her und verlor dadurch wichtige Zeit. Mein Gegner schlug mich anschliessend mit einer schönen Mattkombination.
In dieser Runde stürmte es übrigens in Vung Tau und das Licht ging für etwa 15 Minuten aus ^^

Potapov Pavel - Schiendorfer Emanuel 1/2 - 1/2
Potpov, welcher auch schon Top 10 Ergebnisse an Jugend WM/EM geschafft hat, spielte Alapin. Obwohl er nicht die Variante spielte, die ich vorbereitet hatte, konnte ich ohne grössere Schwierigkeiten ausgleichen. Potapov unterlief anschliessend eine Ungenauigkeit, welche ich ausnützte und danach mit dem Läuferpaar etwas besser stand. In einem Leich besseren Endspiel konnte ich aber dem Remisangebot nicht widerstehen.

Schiendorfer Emanuel - Klimov Anton 1 - 0
In dieser Partie konnte ich die Variante nutzen, welche ich in der ersten Runde gegen Jugendweltmeister Saric gewählt hatte. Dank einer langen Vorbereitung brauchte ich für einmal sehr wenig Zeit in der Eröffnung. Ich brauchte aber über eine Halbestunde für einen einzigen Zug, welcher nicht mehr Vorbereitung war. Zwischendurch ging das Licht aus und ich machte mir da schon meine Gedanken, ob ich in meiner Vorbereitung was übersehen hatte. Zum Glück fand ich aber den richtigen Weg am Brett noch und Klimov, welcher 2451 Elos hat, spielte anschliessend ungenau und ich gewann relativ einfach.
Diese Partie wird übrigens in der Schachzeitung mit Kommentaren von A. Vuilleumier erscheinen.

Mustafaev Jamshid - Schiendorfer Emanuel 1/2 - 1/2
In einem Le2 Najdorf bekam ich schon recht früh eine leich bessere Stellung. Misshandelte diese aber mit einem Abtausch von meinem Springer auf e5 gegen einen schwachen Läufer f3. Ein Fehler der mir eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Ich kam anschliessend Recht unter Druck - der Usbeke spielte sehr stark. In dieser Phase spielte ich aber auch wieder mein bestes Schach und fand einen Weg in ein Endspiel abzuwickeln mit ungleichfarbigen Läufern, welches trotz Minusbauer einfach zu halten war.

Zaslavsky Michael - Schiendorfer Emanuel 1/2 - 1/2
Gegen den Israeli Zaslavsky bekam ich wiederum die Najdorfvariante, dieses mal allerdings die schärfere Lg5 Variante. Ich kam nach der Eröffnung in eine unangenehme Stellung, verteidigte mich anschliessend aber gut und bekam ein Turmendspiel in welchem wir uns auf Remis einigten.

Schiendorfer Emanuel - Paichadze Luka 0 - 1
In der letzten Runde ging bei mir nicht mehr allzu viel. Ich spielte die Eröffnung schlecht und stand im Mittelspiel schlechter. Mein Gegner spielte aber auch nicht perfekt und liess mir nochmals Chancen. Im weiteren Verlauf opferte ich eine Figur übersah allerdings später ein Läuferopfer meines Gegners und konnte daraufhin aufgeben.Mannschaftsfoto Schweiz Schach

Am selben Abend fand noch die Schlusszeremonie statt. Auffallend war die Überlegenheit von Indien, welche gleich viermal Gold abräumten. Dies neben Weltmeister Anand und den beiden Junioren(innen) Weltmeistertiteln. Die Schlusszeremonie bot wieder einige Showacts wie schon die Eröffnungszeremonie. Im Hotel genossen wir dann einfach noch den letzten Abend. Am nächsten Tag ging es dann ab mit dem Bus zum Flughafen und von dort über Frankfurt nach Hause.

Fazit: Die letzte Junioren WM von mir als Spieler war sowohl vom Resultat wie auch vom drum herum praktisch perfekt!

8. Rang am Accentus Jungmeisterturnier

An der Winterthurer Schachwoche fand dieses Jahr wieder ein Einladungsturnier statt, welches von der Stiftung Accentus unterstützt wurde. Neben mir nahmen vier weitere Schweizer und fünf Ausländer teil.
Bei der Auslosung hatte ich etwas Glück, da ich fünfmal Weiss bekam. Zudem hatte ich gegen jeden Schweizer Weiss.

In der ersten Runde spielte ich gegen Jonathan Rosenthal. Im Sizilianisch opferte ich früh einen Bauern und stand nach ungenauem Spiel etwas besser. Ich rechnete zwar die beste Fortsetzung, spielte sie aber nicht, weil meine Stellungseinschätzung falsch war. Anschliessend musste ich eine Qualität abgeben und stand leicht schlechter. Mein Gegner nutze meine schwache Königsstellung nicht aus und liess mich rochieren. Ich bekam nochmals die Chance klaren Vorteil zu bekommen, spielte allerdings zu schnell und am Schluss endete die Partie mit Zugswiederholung.

Axel Rombaldoni spielte in der zweiten Runde im Najdorf Dxd4 statt dem normalen Sxd4. Meine Vorbereitung war schnell zu Ende und ich entschied mich den Damentausch zu forcieren. Ich kam anschliessend in eine etwas passivere Stellung. Ich verteidigte mich allerdings gut und kam in eine leicht bessere Stellung, in welcher ich Remis gab.

Mit Peter Prohaszka hatte ich in Runde drei die Nummer eins vom Turnier. Es war praktisch unmöglich gegen den jungen Ungaren vorzubereiten, weil er schlicht alles spielt. Ich entschied mich für 1.d4 und schon kam etwas aufs Brett, was Prohaszka wohl noch nie gespielt hat. Ich war allerdings sehr zufrieden mit meiner Stellung. Ich hatte das Läuferpaar für eine Bauernschwäche bekommen. Da Läuferpaar dominierte aber die Stellung und Prohaszka musste meine Bauernstruktur mit einem Damentausch verbessern. Ich lehnte zweimal Remis ab, gewann das Endspiel aber nicht.

In der vierten Runde spielte ich mit Schwarz gegen den Russen Alexander Verzhansky. Im Sämisch opferte ich früh mehere Bauern für aktive Figuren und schnelle Entwicklung. Ich spielte eine sehr gute Partie und kam in ein gewonnenes Endspiel. Dort flatterten allerdings meine Nerven zu fest und ich verlor meinen Freibauer auf e2. Nach der Zeitnot einigten wir uns schnell auf Remis.

Gegen Julien Carron spielte ich erst einmal und damals gewann ich sogar mit Schwarz. In Winterthur opferte ich im Dameninder früh einen Bauern auf d5 und bekam mehr als nur Kompensation. Ich drückte mit drei Schwerfiguren auf der halboffenen d-Linie. Als ich den Bauer aber zurückgewann, verlor ich den Faden. Carron spielte anschliessend genau und liess mir keine Chance mehr.

Mit Nikolai Pokazanjev musste ich gegen den bis dato souverän führenden Russen spielen. In einem Le2 Najdorf fand er ein sehr starkes Springermanöver. Über b3, d2, f1 und e3 fand der Springer den Weg nach d5. Anschliessend stand ich immer schlechter und war nur am verteideidigen. Dies tat ich lange Zeit sehr zäh und kam sogar in ein spielbares Endspiel mit Minusbauer. Bei mir schwanden aber langsam die Kräfte während dem Pokazanjev immer noch frisch schien und mich einfach Stück für Stück zerlegte.

Gegen Clubkollege Kambez Nuri vertraute ich dem Rat von Yermolinsky, welcher sagt, man solle seine normalen Varianten spielen, egal wie gut der Gegner vorbereitet sei. Ich zögerte dann auch keinen Moment, um in den b4 Königsinder einzulenken. Mit Kh8 statt Sh5 oder a5 wich Kambez früh von den Hauptvarianten ab. Ich erinnerte mich an die Idee dieses Zugs und fand eine gute Antwort auf das System. Nach einem Qualitätsopfer von Kambez stand ich auf Gewinn und brachte den Sieg auch mal sicher nach Hause. Wie gut meine Neuerung wirklich ist, wird wohl erst eine genaue Analyse der Partie zeigen.

Anthony Wirig bereitete sich sehr gut auf mich vor. Er packte im Königsinder Ld3 aus und hatte neue Ideen entdeckt. Das lustige war, dass sein Zug Lb1 (statt Lc2) keine Neuerung war, sondern eine Kopie von Peter Prohaszka, welcher ja auch in diesem Turnier mitspielte. Ich versuchte die Idee mit einem wilden Bauernsturm zu widerlegen. Schlussendlich war aber nur mein h-Bauer schwach. Wirig gewann den Bauer und zeigte mir wie man das Gegenspiel des Gegners unterdrückt.

In der Schlussrunde spielte ich wieder einmal gegen Marco Lehmann. Der Bätterkinder wich mit 1. Sf6 und 2. Sc6 dem normalen Königsinder aus. Ich spielte am Anfang schlecht und ich glaube Marco hätte Vorteil herausholen können. Die ersten acht Runden hinterliessen wohl auch bei ihm Spuren. Später kam ich in Vorteil und hatte einen starken d6-Freibauer. Marco opferte seinen Springer für zwei Bauern. Es entstand ein Endspiel 3 Bauern + Turm gegen meinen Turm + Läufer + 2 Bauern. Ich habe keine Ahnung ob dieses Endspiel Remis oder gewonnen ist, aber ich manövrierte in der Partie einfach mal etwas herum und stellte ein paar Fallen. Plötzlich machte Marco einen Fehler und lief mit dem König zu weit von den Bauern. Ich gewann einen Bauern und hatte nun einen gewonnen Stellung. Anschliessend lief ich allerdings idiotisch in eine Zugszwangstellung und musste die Partie doch noch Remis geben.

Alles in Allem bin ich eigentlich sehr zufrieden mit meinem Spiel. Nur Schade, dass ich meine vielen guten Stellungen nicht verwertet habe. In den Partien gegen Verzhansky, Carron, Rosenthal und Lehmann könnte ich locker überall einen halben Punkt holen. Zudem kommt das Endspiel gegen Prohaszka, von welchem er selbst sagt, dass es wohl gewonnen gewesen wäre. Trotz meiner schlechten Technik liegt meine Performance etwas über meiner Elozahl.

 

Accentus Jungmeisterturnier Winterthur 2008

27. September 2008 - Ligaerhalt in Extremnis geschafft

SMMVor einer Woche fand in Zürich, die vom SV Wollishofen organisierte Doppelschlussrunde statt. Dabei musste unsere gegen den Abstieg spielen. Zwei Wochen zuvor ging bereits die erste Doppelrunde über die Bühne. Mit der SG Zürich und SG Reichenstein hatten wir die stärksten zwei Gegner überhaupt. In Zürich spielten wir recht gut mit und konnten mit einem 3,5 - 4,5 wichtige Einzelpunkte sammeln. Ich spielte am siebten Brett gegen IM Werner Hug, welcher mir eigentlich eine strategische Lehrstunde erteilte. Meine Stellung war miserabel, aber Hug spielte plötzlich ungenau und überliess mir eine Qualität. Bei Stande vom 3-4 lenkte er mit einem ewigen Schach ins Remis ein. Den einzigen vollen Punkt konnte Artur Jussupow im Duell der Legenden gegen Viktor Kortschnoj buchen.

Gegen die SG Reichenstein sah der Wettkampf lange Zeit sehr unklar aus. Die Taktik von Reichenstein war früh klar, sie wollten vorne remis und hinten gewinnen. Schlussendlich ging ihre Strategie mit einem 3-5 Sieg leider auch auf. Ich spielte dabei gegen Andreas Heimann. Der junge Deutsche hat seine Elozahl in relativ kurzer Zeit auf 2440 hinauf katapultiert. In einem Wolgagambit spielte ich ruhig und versuchte mit einer Blockade strategischen Vorteil zu erlangen. Dies gelang mir aber nicht gewollt und wir fanden uns kurze Zeit später in einem Turmendspiel mit gleich vieler Bauern wieder.

Somit stand unsere Mannschaft letzte Woche mächtig unter Druck, da das neunt platzierte Schwarz-Weiss Bern gleich viele Punkte aufwies. Ich konnte aufgrund einer Studienreise mit unserer Klasse leider nicht gegen meine alten Teamkollegen antreten. Überraschend verloren wir gegen Gligoric Zürich mit 3,5-4,5. Da Schwarz-Weiss Bern ebenfalls verlor kam es in der letzten Runde zum Showdown. Mit einem 4-4 reichte es gerade zum Ligaerhalt. Wenn ich mir die Partien anschaue, war da etwas Glück dabei, aber wenn man bedenkt wie viele 3,5-4,5 Niederlagen wir erhalten haben, ist der Ligaerhalt verdient.

15. August 2008 - Ordentliches Resultat in Biel

SMMDer Schweizer Schachsommer ist bereits wieder vorbei. Ich verzichtete dieses Jahr auf die SEM in Samnaun, um möglichst fit für das Schachfestival in Biel zu sein. Das Turnier in Biel fand vom 21. Juli - 1. August statt.

Bereits in der ersten Runde bekundete ich aber sehr grosse Mühe. Ich spielte mit Schwarz gegen einen alten Griechen. Ich stand lange Zeit positionell besser, spielte dann aber etwas zu ungenau. Ich hätte in ein ewiges Schach gehen sollen, aber ich wollte natürlich kein remis. Danach stand ich jedoch schlechter und hatte deutlich weniger Zeit. Mein Gegner machte mir aber ein Geschenk, indem er in ein Springer+Läufer Endspiel abwickelte. Ich gewann einen Bauern und stand auf Gewinn, als meinem Gegner die Zeit fiel - er dachte er bekäme noch ne Stunde.

In der zweiten Runde musste ich gegen den gleichaltrigen Ungaren Berzecs. In einem unterhaltsamen Slawen stand ich leicht besser. Aber mein Gegner fand anschliessend mehrere Superzüge und konnte schlussendlich die Dame opfern. Ich gab kurz danach auf. Mir war gleich nach der Partie bewusst, dass Berczecs wohl stärker ist als seine Elozahl. So erstaunte es mich auch nicht so sehr als er nach 9 Runden eine GM-Norm erzielte.

In Runde drei spielte ich gegen den Jingle Li. Selbstverständlich wusste ich, dass der junge Berner mit 1.d4 2.Lf4 eine Mauer bauen wird, aber dass es so mühsam wird hätte ich nicht gedacht. Jingle versuchte mehrmals Zugswiederholung und ich musste mit "speziellen Züge ausweichen. Als ich dann endlich einen Angriff am Königsflügel erhielt, übersah ich einen kleinen Trick von Jingle. Er konnte in ein fast ausgeglichenes Damen+Läufer Endspiel abwickeln. Die Damen wurden getauscht und es entstand ein remis Läuferendspiel. Ich kämpfte aber wieder bis zum Schluss und konnte Jingle mit einem studienartigen Manöver überlisten.

Niklaus Giertz war mir bestens bekannt. Wir mussten schon viermal gegeneinander spielen und alle Partien endeten Remis. Ich wollte endlich gewinnen und opferte deshalb schon früh eine Figur, ob korrekt oder nicht sei mal dahingestellt :) Giertz verteidigte sich eigentlich lange Zeit recht gut und stand wohl einen Tick besser. Er hatte aber nicht mehr soviel Zeit und es ging in ein Endspiel mit Turm+Bauer gegen 2 Springer. Ich dachte die Stellung sei etwa ausgeglichen, aber objektiv stehe ich wohl sogar etwas besser. Giertz übersah später, dass ich einen Freibauer auf der h-Linie erhalte, welcher er nicht mehr richtig aufhalten konnte. Im fünften Anlauf hat es also endlich geklappt den amtierenden Bundesmeister zu schlagen.

Petar Benkovic hiess mein nächster Gegner. In einem Königsinder vergass ich die Theorie und spielte etwas zu zahm. Petar konnte bei offener c-Linie die Damen tauschen und stand etwas besser. Er musste jedoch aufpassen weil sich sein Turm in mein Lager verirrt hatte und nicht mehr rauskam. Ich versuchte ständig den Turm irgendwie zu fangen. Es gelang mir jedoch nie und in schlechterer Stellung stellte ich einzügig alles ein und konnte aufgeben.

Nach der Niederlage in Runde fünf spielte ich gegen IM Alexandre Domont. Er spielte eine slawische Variante, welche ich bis dahin nicht kannte. Ich opferte einfach mal Intuitiv einen Bauern für schnelle Entwicklung. Mir gefiel meine Stellung eigentlich immer gut, da ich einen klaren Plan hatte, während Domont Schwierigkeiten hatte seine Figuren auf gute Felder zu stellen. Als er dann mit dem König definitiv nicht mehr rochieren konnte, griff ich konsequent an. Ich konnte Domont komplett überrennen und hatte in der Schlussstellung 5 Figuren im Angriff gegen den nackten König auf e7 :)

In der siebten Runde spielte ich gegen eine junge Russin mit über 2400. Tairova opferte im Najdorf eine Figur auf e6, allerdings war das keine bekannte Variante. Ich verbrauchte viel zeit (zuviel), um die richtige Fortsetzung für Schwarz zu finden. Ich stand eigentlich recht gut, Tairova hatte höchstens knappe Kompensation. In Zeitnot übersah ich dann aber eine aggressive Fortsetzung der Russin und kurz danach musste ich in trauriger Stellung aufgeben.

Rasch Holger hiess mein nächster Gegner. Ich spielte bereits vor einem Jahr gegen den Deutschen. Damals verlor ich eine sehr gute Stellung, was ich bis heute nicht vergessen hatte. In einem Damengambit griff ich am Königsflügel an, während dem mein Gegner versuchte meinen Damenflügel auseinander zu nehmen. Ich opferte später einen Bauern für aktives Spielt. Meine Stellung gefiel mir sehr gut, aber dann verrechnete ich mich sehr ärgerlich. Anstatt die Dame zu gewinnen, musste ich plötzlich aufpassen, um nicht noch mehr Material zu verlieren. Zum Glück hatte mein Gegner deutlich weniger Zeit und bot in heikler Stellung remis an.

In Runde neun spielte ich wohl mein schlechteste Partie an diesem Turnier. Gegner den Franzosen Etienne Mensch hatte ich nach der Eröffnung überhaupt keine Probleme. Anschliessend tauschte ich aber recht unmotiviert Figuren ab ohne gross zu beachten, was für eine Stellung danach entsteht. Ich kam in eine passive Stellung. Mein Gegner drückte die ganze Partie am Damenflügel. In dieser Partiephase verteidigte ich mich eigentlich ganz gut, aber kurz vor der Zeitkontrolle kam ich ins Wanken und verlor zwei Bauern und damit die Partie. Naja wie sagt Yermolinsky so schön: "Unbedacht Figuren abzutauschen ist ein sicherer Weg zum Verlust und eine gut überlegte Tauschaktion könnte der einzige Weg zum Gewinn sein"

Die zehnte Runde werde ich wohl auch nicht so schnell wieder vergessen. Mein Gegner hiess Astengo Corrado. Der Italiener machte die ganze zeit Geräusche und Faxen am Brett, was mich doch leicht nervte. Auf dem Brett hatte ich eigentlich schnell die Oberhand, aber ich unterschätzte sein Gegenspiel und musste plötzlich mit einem Bauern weniger spielen. Meine Stellung war zwar dank dem Läuferpaar immer noch leicht besser, aber als ich dann auch noch eine simple Kombination übersah, musste ich froh sein nicht noch zu verlieren.

In der elften Runde musste ich gegen meinen guten Schachkollegen Damian Karrer spielen. Damian spielte bis dahin ein Superturnier und hatte auch noch Weiss gegen mich. In einem Schweschnikow Sizilianer folgten wir scheinbar einer langen Theorievariante, welche ich gar nicht so genau kannte. Kurz vor der Zeitkontrolle bot ich dann remis an, als mir die Stellung nicht mehr zu 100% gefiel.

Fazit: Ich bin eigentlich recht zufrieden mit dem Turnier. Vor allem der Start war sehr gut. Einzig mit Schwarz muss ich noch zulegen und meine Eröffnungen verfeinern.

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27. Juni 2008 - Weitere knappe Niederlage gegen Riehen

SMMAm letzten Wochenende spielten wir gegen die SG Riehen die vierte Runde von dieser SMM Saison. Die letzten beiden Runden verloren wir beide mit 3,5-4,5 und auch diesmal hatten wir nicht mehr Glück. Der Wettkampf war äusserst umkämpft. Schlussendlich wurde nur eine Partie entschieden! Lesen Sie mehr auf der neueingerichteten SMM-Seite.

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22. Juni 2008 - SJMM Titel an Winterthur

Die neueingeführte SJMM wurde wurde überlegen von unserer Mannschaft gewonnen. Der Final fand in Bern statt, nur wenige Meter neben der Delegiertenversammlung. Im Halbfinal mussten wir gegen Birseck ein Forfaitbrett geben, weil bei uns etwas organisatorisches nicht geklappt hat. Dennoch waren wir nicht gross in Gefahr den Final zu verpassen. Nino, unser Mannschaftscaptain gewann schon schnell einen Turm. Am ersten Brett hatte ich mit Weiss gegen Benjamin Seitz auch keine Mühe und stand schon schnell auf Gewinn. Und auch die anderen Mannschaftskollegen machten ihre Sache gut. Einzig Selim Turki übersah ein einzügiges Matt.

Im Final wartete etwas überraschen Wil 1 auf uns. In der Vorrunde schickten wir Wil gar mit einer 6-0 Packung nach Hause. Aber schon damals sah man, dass die Wiler durchaus Chancen auf einen Podestplatz haben. Gegen Wil waren wir wieder komplett. Der Wettkampf verlief recht einseitig. Benedict, Nino, Selim und ich hatten schon schnell gute Stellungen und Gabriel war schlussendlich einfach eine Klasse besser als sein Gegner.

2. Juli 2008 - Starkes Turnier in Liechtenstein

Liechtenstein-OpenVor einigen Woche spielte ich zum ersten mal am internationalen Open in Liechtenstein mit. Die Unterkunft wurde mir grosszügigerweise vom Veranstalter gratis zur Verfügung gestellt. Ich war zusammen mit Sergey Ovsejevitsch und einem Schachsenior bei einer alten Dame untergebracht.

Ich startete mit zwei sicheren Siegen gegen schwächere Gegner. In Runde drei traff ich auf GM Farago. Ich verlor die Partie unnötig in einem Endspiel, nachdem ich mit Schwarz sogar etwas besser aus der Eröffnung kam. In der vierten Runde stolperte ich über Slovaken, nach guter Stellung musste ich mich gar noch ins Remis retten. Gegen Peter Wahl kam ich aber wieder zu einem sicheren und recht schönen Sieg. Nun wartete mit IM Peredy wieder ein elostärkerer Spieler. Die Eröffnung miessfiel mir komplett und ich hatte schlicht zu wenig Kompensation für den Bauern. Anschliessend spielte ich aber gutes Schach und zerlegte meinen Gegner. In der siebten Runde spielte ich gegen Sebastian Siebrecht mit 2500. Ich hatte einen angenehmen Königsinder und stand mit +3 auf Gewinn. Verlor aber in einer komplizierten Stellung die Nerven und kam nicht über ein Remis hinaus. Ärgerlich wenn ich daran denke, dass dieser halbe Punkt am Schluss fehlte für meine erste IM-Norm. In der letzten Runde kämpfte ich gegen einen deutschen eigentlich nur noch um ein Remis, dieser überzog aber und ging zweizzügig Matt.

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8. Juni 2008 - Knappe Niederlage gegen Joueur Lausanne

marcoAm letzten Wochenende hatten wir ein Heimspiel gegen Joueur Lausanne. Wir konnten aus dem vollen schöpfen, während dem die Westschweizer ohne GM Renet antreten mussten. Der Wettkampf begann ganz gut für uns. Richard Forster holte mit Weiss ohne Probleme ein schnelles Remis gegen Chernuschevitsch. Nedjelko Kelecevic einigte sich auch ziemlich schnell mit seinem Gegner auf Remis. Zu dieser Zeit sah eigentlich sehr gut für uns aus. Die meisten standen gut und Artur Jussupow und Urs Rüetschi waren deutlich elostärker als die Lausanner. Aber ausgerechnet unser Spitzenpferd wurde in der Eröffnung überlistet und gab in schlechterer Stellung Remis. Andi Huss kam trotz guter Stellung schlussendlich nicht über die Punkteteilung gegen Charles Lamoureux hinaus. Am vierten Brett mussten wir dann die erste Niederlage einstecken. Oliver Sutter verlor mit Schwarz gegen GM Jospeh Gallagher. Bei meiner Partie gegen David Burnier ging es drunter und drüber. Nach taktischen Verwicklungen hatte ich einen Bauern mehr, musste jedoch gegen ein nerviges Läuferpaar spielen. Ich verbesserte meine Stellung stetig, aber in der Zeitnot stellte ich in schwieriger Stellung eine Qualität hin. Ich kämpfte aber weiter und gewann sie zurück. In einem fürchterlichen Läuferendspiel stand ich erst auf Verlust, dann auf Gewinn und schlussendlich endete die Partie Remis. Leider half dies unserer Mannschaft nicht viel, da Martin Ballman etwas überraschend gegen Lehtivaara verlor. Immerhin konnte Urs noch eine Partie für die SG Winterthur gewinnen.

Winterthur - Joueur Lausanne 3½ : 4½ (Forster - Chernuschevitsch ½:½, Jussupow - Sermier ½:½, Huss - Ch. Lamoureux ½:½, Sutter - Gallagher 0:1, Ballmann - Lehtivaara 0:1, Kelecevic - Bekker-Jensen ½:½, Schiendorfer - Burnier ½:½, Rüetschi - I. Lamoureux 1:0).

Rangliste nach 3 Runden: 1. Reichenstein 6 (16½). 2. Zürich und Luzern je 5 (13½). 4. Mendrisio 4 (12½). 5. Winterthur 3 (12). 6. Wollishofen 2 (12½). 7. Schwarz-Weiss Bern 2 (11). 8. Joueur 2 (10½). 9. Riehen 1 (10½). 10. Gligoric 0 (7½).

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